Gottes Stimme unterscheiden, damit sein Reich kommt!

CE Sommertagung 2014 - Kremsmünster/ OÖ
Universitätsprofessor Dr. +Willibald Sandler

Gottes Stimme hören, um sein Land einzunehmen“. Diesem mehrjährigen Schwerpunkt beschloss die Charismatische Erneuerung Österreichs vor zwei Jahren. Direkt zu diesem Thema war die Sommertagung im vergangenen Jahr. In der heurigen Sommertagung – von 14.–16. August in Kremsmünster – wird es um die Unterscheidung der Geister gehen und nächstes Jahr auf der Freizeit mit Jesus darum, dass „Dein Wille geschehe“. Das ist die logische Fortsetzung von „Dein Reich komme“ – dem Schwerpunkt der letzten Freizeit mit Jesus.

Dass „Sein Reich komme“, setzt voraus, dass wir auch bereit und imstande sind, in sein Reich zu kommen, oder mit dem Wort aus Josua: „Sein Land einzunehmen“ (vgl. Jos 1,2f.6). In Jesus Christus ist Sein Reich bei uns angekommen; in seiner Person, in Seinem Wirken wurde es gegenwärtig. Deshalb konnte – und musste – es von den Menschen ergriffen werden: indem sie Jesus, seine Botschaft und seine Person annahmen. Das war Jesu zentralste Botschaft (vgl. Mk 1,15):


Jetzt ist sie da, die Stunde der Gnade:

Das Reich Gottes – das heißt Gott selber – den ihr verloren und verkannt habt, Gott selber in seiner ganzen Liebe und Wahrhaftigkeit, in seiner Barmherzigkeit und Gerechtigkeit, in seiner Sanftheit und Allmacht: Gott selber ist jetzt da. Er ist der Schatz, die Perle (Mt 13,44-46). Wenn ihr Ihn jetzt ergreift und zur Mitte eures Lebens macht, dann wird euer Leben in all seinen Dimensionen ganz und heil. Ihr könnt Ihn jetzt ergreifen, also tut es auch: Kehrt um und glaubt an das Evangelium“.

Verkauft, was ihr habt, um diesen Schatz, diese Perle kaufen zu können! Das heißt: Räumt die Mitte eures Lebens von allem, was euch bisher am wichtigsten war, frei, um dort allein Ihn hineinzulassen: „den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft“ (Mk 12,30). Alles andere, das euch gut und heilig ist, und das auch vor Gott wertvoll ist – eure Familie, eure Freunde, die Freude am Leben, euer Einsatz in dieser Welt – das alles wird dann seinen rechten Platz in eurem Leben bekommen: nicht in der Mitte, aber rund um diese Mitte. „Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit – das heißt um Ihn selber – gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben“ (Mt 6,33). Notwendig ist eine Unterscheidung der Geister auch, um bei sich selber Eindrücke, die von Gott kommen, von anderen Eindrücken zu unterscheiden.

Das kann sehr kompliziert sein oder sehr einfach. Es lassen sich hier viele Kriterien nennen: aus den Glaubenswahrheiten, aus dem Verhalten der beteiligten Menschen, aus der Weise der Erfahrung und aus den „Früchten“ (vgl. Jesus ist der Herr. Kirchliche Texte zur kathol ischen charismatischen Erneuerung. Hg. No rbert Baumert, 1987, 29-34). Wenn alles nur davon abhinge, dann wäre die Unterscheidung der Geister eine Sache von Spezialisten, die das alles im Blick behalten können. Und selbst diese Experten (erfahrene Seelsorger und Theolo ginnen) sind dann in Gefahr, dass sie vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen. Wie bei so vielem anderen, hat Jesus auch hier einen Weg gezeigt, der zugleich einfacher und radikaler ist. Mit den Worten des Johannesevangeliums: „Die Schafe kennen seine Stimme“ (Joh 10,4).

Man kann auch spüren, ob etwas richtig oder falsch, stimmig oder unstimmig ist, wenn man es mit der Stimme des Hirten, die in uns lebendig ist, abgleicht. Das setzt aber voraus, dass das feine Instrument, das wir sind, richtig gestimmt ist. Und das geschieht durch ein Leben, in dem Gott ganz die Mitte ist, in dem Jesus Christus in allem regiert und wir „der Liebe nachjagen“ (1 Kor 14,1); jener Liebe, die durch den Heiligen Geistes in uns ausgegossen ist (Röm 5,5).
Für die Frage, wie wir Gottes Stimme hören und unterscheiden, heißt das: Wenn für uns statt der tausend Einzelfragen und -probleme, die wir haben, nur noch die einzige Frage entscheidend ist: „Herr, wo bist du in dieser Angelegenheit? Was soll ich tun, dass ich da bleibe, wo du bist und so mit dir und mit deinem Segen, deiner Kraft gehen kann?“ – dann habe ich statt der vielen Probleme (die in den Hintergrund treten), ein einziges ungelöstes Problem:


Wie erkenne und unterscheide ich diesen Willen Gottes?

Diese Frage kann ich nicht mit bloß eigenen Verstandeskräften lösen, sondern nur durch den Heiligen Geist. Hier aber ist uns zugesagt: „Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wieviel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten“ (Lk 11,13), – also nicht irgendetwas Erbetenes, sondern den Heiligen Geist!

Wieder und wieder hat uns Jesus aufgefordert, zu bitten ohne nachzulassen. Und er hat uns zugesagt, dass er unsere Bitten erhören wird. Mit dieser Verheißung haben wir unsere großen Probleme, weil sie nicht unseren Erfahrungen entspricht. Der Grund ist, dass wir meist die Art dieses Betens missverstehen: „Wenn ihr mich um etwas in meinem Namen bittet, werde ich es tun.“ (Joh 14,14). In Jesu Namen bitten, heißt so zu beten, wie er betet, – mit der radikalen Grundhaltung, dass Er die Mitte von allem ist, dass in allem Sein Wille geschehe. Deshalb kann ich immer noch um Verschiedenes bitten, – denn Gott legt nicht alles für seine Beter fest, er lässt ihnen auch einen Ermessensspielraum: „Alles, um was ihr in meinem Namen bittet, werde ich tun“ (Joh 14,13). Aber er wird es nicht tun, damit unsere Einzelwünsche befriedigt werden (zum Beispiel schönes Wetter für die betenden Urlauber und Regen für die betenden Bauern), sondern „damit der Vater im Sohn verherrlicht wird“ (ebenda). So sollen wir wieder und wieder, ohne nachzulassen um eines bitten: „Dein Reich komme, Dein Wille geschehe“ – und: „lass mich deinen Willen erkennen“. Ein starkes Gebet ist hier das folgende: „Herr sprich zu mir, was ich tun und lassen soll in meinem Leben. Und ich verspreche dir: Wann immer ich erkenne, dass es von dir ist, werde ich es tun“. Das ist eine gefährliche Bitte mit einer „Sicherheitsleine“: Die Klarheit der Botschaft bzw. die Klarheit meines unterscheidenden Verstehens vertraue ich Ihm an. Dafür verspreche ich Ihm meinen Gehorsam.

Mit alldem sind die Einzelfragen zur Unterscheidung der Geister noch nicht beantwortet. Und diese Einzelfragen sind auch keineswegs überflüssig. Denn als Christen können wir es uns nicht erlauben zu sagen „Gott, teile mir direkt deinen Willen mit“, ohne dass wir unser Möglichstes von uns her dazu tun, indem wir die Bibel studieren, uns in christlicher Gemeinschaft austauschen und Fortbildungsveranstaltungen besuchen. Dem Letzteren dient die kommende Sommertagung:


„Unterscheidung der Geister“ von 14. - 16. August 2014 in Kremsmünster.


Die hier beschriebene Grundhaltung wird die Voraussetzung von allem sein. Wenn dieser Grund gelegt ist, können wir mit vielem Einzelnen weiterbauen, – zum Beispiel die Erfahrung der großen geistlichen Lehrer, wie etwa von Ignatius von Loyola. Das wird dort geschehen!

Mehr von Willibald Sandler und das Gebetshaus in Innsbruck:
www.dieweide.org